Gartenreich
14.02.2010 Die „Entsorgung“ des Jagdschlosses Haideburg durch Verkauf bewegt in unserer Stadt sehr viele Bürger. Bekannt wurde die Absicht der Landesregierung durch einen Artikel in der Tagespresse im November vergangenen Jahres. Dagegen entstand eine Initiative, die viele Unterschriften sammelte, die den Unmut der Unterschreibenden zum Ausdruck bringen.
Mir ist nicht bekannt, wer dem Minister Aeikens vorgeschlagen hat, gerade einen Bestandteil des Weltkulturerbes Dessau-Wörlitzer-Gartenreich dazu zu verwenden, der vom Finanzminister zur Haushaltskonsolidierung erteilten Auflage nachzukommen, neue Einnahmen zu generieren. Der Name spielt auch vordergründig keine Rolle. Es geht einfach um Gewissenhaftigkeit, um Sensibilität, darum, dass Beamte oder leitende Mitarbeiter der Regierung eines Landes soviel Gespür besitzen sollten, um so etwas zu vermeiden. Dresden ist mit seiner Waldschlösschen-Brücke noch immer in aller Munde. Als Bürger erwarte ich, dass man sich nicht in einer bürokratischen Prozedur aus der Verantwortung für Kulturgüter einer Region, die zudem auf einer besonderen Liste stehen, selbst entlässt. Kulturgut gehört nicht dem Ministerium. Es gehört dem Volk. Also Dir und mir, dem ganzen Volk. Im November wurde im Luisium das für viel Geld erarbeitete Grundsatzdokument zum Umgang mit unter Denkmalschutz stehenden Werten der Öffentlichkeit vorgestellt. Fast zeitgleich erhält der Minister eine Liste verkaufsfähiger Immobilien und Landeswaldflächen, auf der sich eben auch das Jagdschloss Haideburg befindet. Meine Fragen an Mitglieder des Landtages, ob sie denn wüssten, was es mit dem im Dessauer Süden seit über 225 Jahren befindlichen Anwesen auf sich hat, wurden durch die Bank verneint. Ja, kann denn nicht eine Prüfung der Objekte vorausgehen, bevor dem Minister ein solcher Beschlussvorschlag vorgelegt wird?
Die Bürgerinitiative erwartet vom Minister, genau das nachzuholen. Was er mit seinen leitenden Mitarbeitern macht, ist seine Sache. Wir erwarten von ihm eine öffentliche Stellungnahme zu dieser Angelegenheit, die auch von seinem Kollegen Kultusminister mitgetragen wird.
Als Vertreter der Bürgerinitiative bin ich darüber erfreut, dass es eine leistungsfähige Vernetzung vieler „Widerständler“ gibt. Über alle Parteien, Kirchen, Institutionen und Organisationen hinweg gibt es Zustimmung und Absichtserklärungen dahingehend, die seit historischen Zeiträumen bestehende forstwirtschaftliche Nutzung aufrecht zu erhalten und dafür einzustehen. Wie und wo sonst könnte die Landesregierung besser dazu beitragen, den Kindern auch praktisch zu zeigen, dass Mensch und Natur eine Einheit bilden und sich der Mensch dabei der Natur unterzuordnen hat?
Christoph Popp, Bürgerinitiative „Pro Jagdschloss”
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